Deutsch-polnischer Workshop im Mahnmal Kilian.

Was bedeutet Heimat? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Workshops im Flandernbunker im Rahmen des Schüleraustauschs zwischen Opole und Kiel.

Den Begriff „Heimat“ nicht reaktionären Deutungen zu überlassen, sondern in seiner Vielfalt sichtbar zu machen, war dabei das Ziel der Veranstaltung.

Zu Beginn reflektierten die deutschen und polnischen Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Dr. Jens Rönnau und Björn Küppers zunächst individuell, welche Begriffe sie persönlich mit Heimat verbinden. Es zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler ganz unterschiedliche Zugänge zum Begriff Heimat hatten und ihn auf verschiedene Weise mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen verbanden. Dabei wurde auch deutlich, dass sich das Verständnis im Laufe des Lebens verändern können – gerade in einer Lebensphase, in der viele sich zunehmend von ihrem Elternhaus lösen und mit dem Blick auf Ausbildung, Studium oder Reisen neue Wege einschlagen. 

Anschließend besuchte die Gruppe die Ausstellung im Flandernbunker und setzte sich danach in deutsch-polnischen Gruppen intensiver mit der Biografie des ehemaligen Zwangsarbeiters Stanisław Pusz auseinander. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten mit verschiedenen Zitaten und Lebensstationen aus seiner Geschichte, die von Verschleppung, Gewalt, Verlust und späterem Neuanfang geprägt war.

Im Austausch wurde deutlich, dass sich viele eigene Vorstellungen von Heimat mit Pusz’ Erfahrungen überschneiden. Gleichzeitig entstand ein wichtiger Gegenbegriff: der Verlust von Heimat.

Die Schülerinnen und Schüler hielten pro Gruppe sechs Schlagwörter fest, die ihre Gedanken und Diskussionen zum Begriff Heimat widerspiegelten. Diese wurden anschließend zu einer gemeinsamen Wordcloud zusammengeführt. Besonders auffällig war, dass „Familie“ den größten Stellenwert erhielt.

Die abschließende Diskussion zeigte: Heimat ist nie nur ein geografischer Ort. Sie ist verbunden mit vertrauten Menschen, Erinnerungen und dem Gefühl von Sicherheit und wird durch persönliche Erfahrungen und Lebensgeschichten geprägt – und genau deshalb ist sie nicht für alle selbstverständlich.