Diesen Herbst sind wir zu acht nach Bordeaux gefahren, um dort unser Wirtschaftspraktikum zu machen, das alle Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs absolvieren müssen. Wir haben uns entschieden statt 2 Wochen in Deutschland, 3 Wochen lang in Frankreich neue Erfahrungen zu sammeln und dort Einblicke in die Wirtschaft zu bekommen. Der Aufenthalt wurde von Erasmus finanziert und von einer Organisation geplant, die uns unsere Betriebe nach unseren vorher angegebenen Interessen zuteilte. Die Palette der Branchen war sehr breit gefächert: Hotel, Fahrradwerkstatt, Café, Tourismus-Info, Supermarkt und Reiterhof. Natürlich alles weitestgehend auf französisch. Gewohnt und zu Abend gegessen haben wir alle zusammen bei einem netten Gastvater, am Ostufer der Garonne, so heißt der Fluss, der durch Bordeaux fließt. Dort lernten wir zwei sehr sympathische Jugendliche aus der Schweiz kennen, die ebenfalls Erfahrungen in der Arbeitswelt in Frankreich sammeln und durch ein Erasmus-Stipendium nach der Schule unterstützt werden. Mit ihnen machten wir Bordeaux unsicher 🙂 Bordeaux ist eine wunderschöne Stadt, in der ehemals römischen Provinz Aquitanien, mit mittelalterlichem Flair, charmanten Straßen, die zum Flanieren einladen und in denen es überall verlockend nach Cafés duftet. Aber auch die vielen historischen Gebäude, Kathedralen und Museen lassen einen voll und ganz in den Genuss der französischen Kultur kommen. Das Wetter war in der ersten Woche noch so sommerlich, dass wir es uns nicht nehmen lassen konnten an einen wunderschönen Ort an der Atlantikküste, zu fahren: Archachon. Etwa eine Stunde mit dem Zug von Bordeaux entfernt liegt dieses überaus bezaubernde Städtchen, von dem aus wir mit Leihfahrrädern zur Dune du Pilat (die größte Wanderdüne Europas!!) fuhren. Es duftete so herrlich nach Süden und Meer, dass uns niemand davon abhalten konnte in den schon etwas frischen Atlantik zu hüpfen und danach mit Blick auf den Sonnenuntergang am Meer Fisch, Garnelen und Pizza zu verköstigen. An den anderen Wochenenden teilten wir uns oft auf. Manche fuhren nach Biarritz, eine Stadt am Atlantik, südlich von Bordeaux an der Grenze zu Spanien. Andere besuchten das Weindorf Saint-Émillion, dessen mittelalterliche Altstadt mit einer unterirdischen Kathedrale, verwinkelten Gassen und alten Gemäuern zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Dort bauten schon die Römer ihren Wein an! Am Erasmus-Tag nahmen wir an einem Workshop zum Thema verbale und nonverbale Kommunikation teil, an dem unter anderem zwei andere Schüler aus Deutschland teilnahmen, die ebenfalls ihr Wirtschaftspraktikum in Bordeaux absolvierten und mit denen wir uns so gut verstanden, dass wir sie oft in unserer Freizeit trafen. Abends kann man sich garnicht entscheiden in welches der vielen schönen Lokale man einkehren möchte, wo man also seine Limo trinkt und das Tanzbein schwingt. Als wir an einem der ersten Abende in der Stadt unterwegs waren, trafen wir aus heiterem Himmel Johannes aus dem letzten Abijahrgang, der in Bordeaux ebenfalls ein Praktikum macht, allerdings einige Monate länger als wir, weil er die Stadt durch das dreiwöchige Wirtschaftspraktikum damals so lieben gelernt hat, dass es ihn wieder nach Bordeaux verschlug. Wehmütigen Herzens fuhren wir nach drei wunderbaren Wochen und mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck wieder mit dem Zug nach Kiel zurück…
Lise Schwenzer













